2.4 Der letzte wahre Hacker
Levy interviewte für sein Buch auch Richard Stallman. Seine Geschichte als Hacker widmet er ein ganzes Kapitel, was nicht umsonst mit “Epilogue: The Last Of The True Hackers” überschrieben ist. Denn 1984 stand es schlecht um die freie Software. Stallman gehört zur Generation der ersten Hacker, die riesige IBM-Maschinen an amerikanischen Universitäten programmiert hatten. Die Hardware-Hacker im Homebrew Computer Club zählt Levy zur zweiten Generation. Die jungen Leute, die in den 1980er Jahren in den Computerräumen der Universitäten auftauchten, gehörten zur dritten Generation. An ihren Heimcomputern lernten sie unberührt von jeder Hackerethik und Hacker-Gemeinschaft das Programmieren. “These new people would write exciting new programs just as their predecessors did, but something new would come along with them — as the programs appeared on the screen, so would copyright notices. [...] To RMS, who still believed that all information should flow freely, this was blasphemy. ‘I don’t believe that software should be owned,’ [because the practice] sabotages humanity as a whole. It prevents people from getting the maximum benefit out of the program’s existence.”73 Diese neuen Hacker interessierten sich auch nicht sonderlich für die Hackerethik. Stallman hatte im AI-Laboratorium des MIT gelernt, dass eine anarchistische Institution möglich ist. Nur fehlten ihm die Mitstreiter, dank der Dezentralisierung der Hacker durch die Heimcomputer. Anfang der 1980er Jahre fühlte er sich als letzter Anhänger einer scheinbar toten Bewegung, die sich an den anarchistischen Grundsätzen der Hackerethik ausrichtete. Diese Bewegung wollte er wiederbeleben. Das ist einer der ersten Punkte in DeLeons Reihung, nach der jede radikale Bewegung in Amerika eine biblische Sprache mit den Begriffen Wiedergeburt, Befreiung und Läuterung benutzen muss, wenn sie erfolgreich sein will. Mit der Freien-Software-Bewegung wird die Hackerkultur wiedergeboren und Stallman tritt an, den Quellcode von proprietären Lizenzen zu befreien. Was noch fehlt ist die Läuterung. Doch vorerst tritt die Software-Welt weiter in das dunkle Zeitalter proprietärer Lizenzen und Copyrights ein.