3 Software als Eigentum

Aus Anarchie der Hacker
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Seit Ende der 1970er Jahre begannen die meisten Software-Unternehmen, ihren Quellcode möglichst unter Verschluss zu halten. Die Konkurrenz könnte ihre Ide­en klauen und damit ihr Geld verdienen. Information ist Macht, und die Unter­nehmen verschlossen sie vor Programmierern in anderen Unternehmen. Levy be­endet sein Buch 1984 mit einer positiven Prognose für die Hackerethik. Zwar wäre das Hacker-Zentrum am MIT verschwunden, und Richard Stallman sei der letzte wahre Hacker, doch habe sich der Geist dieser Ethik mit dem PC über die ganze Welt verbreitet. Millionen Menschen konnten nun die Magie des Programmierens und des Beherrschens, die Macht über den Computer erfahren.

Doch das Gegenteil war der Fall: Mit dem PC drohte die Hackerethik zu verschwinden. Information war nicht mehr frei. Auf Software wurden Patente angemeldet und Copyrights gesetzt. Die frühen 1980er Jahre waren das dunkle Zeitalter für freie Software und Microsoft war daran nicht ganz unbeteiligt. Die Firma von Bill Gates “hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, daß Software von einem Tauschgegenstand zu einer Ware wurde.”74 Mit dem Kunstgriff eines neuen Lizenzmodells für Software machte Microsoft Milliardengewinne und Gates zum reichsten Mann der Welt. Grundstein seines Unternehmens war, und ist es teilweise heute noch, freie Software. Gates nahm die in Universitäten erprobte Programme und machte daraus sein Eigentum.

Für die Hacker der Freien-Software-Bewegung gilt Gates oftmals als Verräter an den ehemals gemeinsamen Idealen. Die Ideale der Hackerethik waren allerdings niemals seine. Bereits in der Eliteschule Lakeside programmierte Gates, der Sohn eines Patentanwalts aus Seattle, gemeinsam mit Paul Allen für Geld und ‘Rechen­zeit’. Sein ‘Lehrer’ am Computer war der wenige Jahre ältere Allen oder er selbst. Gates war Autodidakt. Als er nach Harvard kam, wo er sich für Jura einschrieb und dort weiter programmierte, war er bereits ein Gegner der Hackerethik, noch bevor er überhaupt mit ihr in Berührung kam. In seiner Autobiographie verliert er nicht ein Wort über sie. Nie kam er auf die Idee, seine Software zu teilen. Ihm ging es ums Geld. Selbst dann, als er das ‘freie’ BASIC von John Kemeny nahm und es lizensierte.75

Die Erfolgsgeschichte von Microsoft ist ohne freie Software kaum denkbar. Von Anfang an nahm Microsoft freie Software, erweiterte sie und verkaufte sie als pro­prietäre Software. Diese Geschäftsstrategie, die Microsoft seit etwa 1980 verfolgt, hat heute einen Namen: embrace and extend — umarme und erweitere.76 Mit dieser Strategie verdrängte Microsoft Konkurrenten vom Markt und sie schufen ein einzigartiges Softwaremonopol. Dass freie Software für den Geschäftserfolg von Microsoft notwendig war, bestreitet Gates gar nicht. Er ist deshalb auch gar nicht gegen freie Software als solche, sondern nur gegen die GPL der Free Software Foundation, weil sie die Strategie des embrace and extend verhindert. Wird GPL-Code in einer Software verwendet, muss diese ebenfalls unter die GPL gestellt werden.

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