6.4 Freie Software, Open Source und zurück

Aus Anarchie der Hacker
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Stallman selbst steht dem neuen Namen ‘Open Source’ abgeneigt gegenüber. Nicht nur, weil er die Freie-Software-Bewegung in ein weiteres politisches Lager gespal­ten hat, sondern auch weil Open Source nicht die Aufklärung verbreitet, die mit freier Software gemeint ist. Zwar behaupten die Anhänger der OSI, mit Open Source die Idee freier Software dem Mainstream angepasst zu haben, doch in sei­nem Aufsatz Why “Free Software” is Better than “Open Source” betont Stallman, dass wenn man der Sache einen anderen Namen gibt, auch eine andere Philosophie und andere Werte transportiert. “The fundamental difference between the two move­ments is in their values, their ways of looking at the world. For the Open Source movement, the issue of whether software should be open source is a practical question, not an ethical one. As one person put it, ‘Open source is a development methodology; free software is a social movement.’ For the Open Source move­ment, non-free software is a suboptimal solution. For the Free Software move­ment, non-free software is a social problem and free software is the solution.”138

Open Source schaffe auch nicht die Mehrdeutigkeit des Begriffs ‘freie Software’ ab. Im Gegenteil, sie verschlimmere sie noch, da es nicht mehr um die Differenz von ‘freier Rede’ und ‘Freibier’ ginge, sondern darum, ob der Quellcode irgendwie einsehbar sei, und das Programm frei kopiert werden dürfe. Dagegen betone ‘freie Software’ geradezu die Freiheit, die sie den Anwendern gewähre. Durch Open Source sind Firmen auf die Idee gekommen, ihre proprietäre Software nach GNU/Linux zu portieren. Zusammen mit der OSI verbreiten diese Software­firmen den Glauben, dass die Gemeinschaft davon profitieren würde. Doch der gemeinsame Feind beider politischer Lager sei schließlich proprietäre Software. Die Anhänger der OSI würden nur auf die pragmatischen Aspekte hinweisen, die ihre Software gegenüber proprietärer habe, ihre Nützlichkeit, Features, Zu­verlässigkeit und Effizienz. Ist solche Software als Open Source-Software nicht zu haben, greife man auf proprietäre Software zurück. Was Stallman aber immer wieder betont ist, dass die Freiheit zählt und nicht die Technologie. “I think that freedom is more important than mere technical advance [...]. I would always choose a less advanced free program rather than a more advanced nonfree program, because I won’t give up my freedom for something like that. My rule is, if I can’t share it with you, I won’t take it.”139

Solche Aussagen lassen Richard Stallman als Prediger erscheinen und bekräftigen das quasi-religiöse Moment in seiner Botschaft. Sam Williams vergleicht ihn in sol­chen Momenten mit koscheren Juden, oder Mormonen, die aus religiösen Gründen kein Alkohol trinken.140 Richard Stallman benutzt aus persönlicher mo­ralischer Überzeugung keine proprietäre Software.

Wie bereits erwähnt, benutzt nach DeLeon jede radikale Bewegung in Amerika die biblische Sprache mit den Begriffen Wiedergeburt, Befreiung und Läuterung. Was uns in dieser Reihung noch fehlte, war der letzte Punkt: Bruce Perens, der mit den Open Source-Definitionen von der Freien-Software-Bewegung ins Lager der OSI gewechselt war, kehrte ein Jahr nach Gründung der OSI geläutert wieder zurück in das Lager der GPL-Gemeinde. Die Aufgabe der OSI, dem Mainstream freie Soft­ware näher zu bringen, sei erfüllt: “Und jetzt ist es Zeit für die zweite Phase: Jetzt, wo alle Welt zusieht, ist es für uns an der Zeit, Sie über Freie Software aufzuklären. Beachten Sie, ich sagte Freie Software, nicht Open Source.”141

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