6 Open Source Initiative

Aus Anarchie der Hacker
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Für einige Anhänger der Freien-Software-Bewegung wurde Stallman immer mehr zum Ärgernis. Bruce Perens und Eric Raymond fanden, dass Stallman für Ge­schäftsleute wegen seiner politischen Aussagen zu sehr nach Kommunismus roch. Außerdem wollten sie, dass die Bewegung sich nicht zu sehr auf die GPL kon­zentrierte. Sie wollten ein System von Software, in das GPL-Software genauso passt, wie Software, die unter der BSD- oder ähnlichen Lizenzen fällt, oder Lizen­zen wie der Artistic License. Letztere erlaubt ausdrücklich, dass Quellcode oder Software unter der Artistic License mit proprietärer Software verknüpft werden darf, ohne dass das Resultat als abgeleitetes Werk gilt und wieder unter der Artistic License zu stehen hat. Raymond traf sich 1998 nach einem Treffen mit dem Vor­stand der Firma Netscape zu einem Meeting mit anderen führenden Persönlichkei­ten der Softwarebranche, um sich einen neuen Namen für freie Software zu über­legen. Netscape wurde dazu gezwungen, ihren Browser Netscape Navigator zu verschenken, nachdem Microsoft seinen Internet Explorer gratis zu Windows mit dazugab. Während des Meetings erfanden sie den Namen Open Source, womit der Umsonst-Charakter des Wortes free wegfallen sollte und gründeten die Open Source Initiative (OSI). Die OSI sollte die beiden Lager der Freien-Software-Bewe­gung, GPL und BSD, zusammenführen. In der Praxis der Software-Entwicklung haben beide Lager kaum eine Bedeutung. In den Projekten ist es meistens gleich­gültig, ob die Leute nun freie oder Open Source Software (OSS) schreiben. In den politischen und ideologischen Debatten spielt dies allerdings eine große Rolle.

Die Definition von Open Source war innerhalb von Debian entstanden. Debian ist ein gemeinnütziger Verein, der von Debora und Ian Murdock gegründet worden ist. Gemeinsam veröffentlichen sie die Distribution Debian GNU/Linux mit vielen Programmierern, die Software zum gemeinsamen Projekt beitragen oder vorhandene Software-Pakete pflegen. Um auch nicht-freie Software anbieten zu können, oder Software, die zwar unter einer freien Lizenz, aber nicht unter der GPL steht, entwickelte Bruce Perens die Debian Richtlinien. Die Richtlinien gehen in Richtung größtmöglicher Freiheit und möglichst wenig Nutzungsein­schränkungen von Software. Perens formulierte eine Definition, die sowohl GPL als auch BSD erlaubt. Die Debian-Definition wurde für die Open Source-Definiti­on übernommen. Genaugenommen vertuscht die Definition die Differenz zwi­schen Lizenzbedingungen mit den Worten: “The license must allow modifications and derived works, and must allow them to be distributed under the same terms as the license of the original software.”124

Die Definition wurde zum Muster vieler nachfolgender Open Source-Lizenzen, wie die Netscape Public License (NPL) für den Netscape Navigator. Um die Raub­züge von Microsoft einzudämmen, öffnete Netscape den Quellcode und lud alle Interessierten im Internet dazu ein, an dem Browser mitzuschreiben. Dafür gründeten sie das Mozilla-Projekt. Mozilla ist ein freier Browser, der unter der Mo­zilla Public License (MPL) steht. Netscape räumte sich das Recht ein, sich aus dem Quellcode des offenen Mozilla-Projektes bedienen zu können, ohne genau festzu­legen, wie diese Nutzung aussieht. Einige störten sich an diesem Sonderrecht, für viele war der Kompromiss allerdings in Ordnung, da sie den Mozilla-Browser frei modifizieren und kopieren durften. Trotzdem war das Mozilla-Projekt nie wirklich erfolgreich, weil der Aufbau einer Entwickler-Gemeinschaft nicht wirklich funktioniert hat, was allerdings mehr an der Organisation des Projektes lag als an der Lizenz.

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